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Anne Lissner: „Im Ernstfall ist keiner mehr da!“

Anne Lissner: „Wir hoffen auf die Unterstützung für ein stärkeres Ehrenamt.“ Foto: DRK Anne Lissner: „Wir hoffen auf die Unterstützung für ein stärkeres Ehrenamt.“ Foto: DRK

Torgau, 27_7_2018.  Im SonntagsWochenBlatt-Gespräch erklärt Anne Lissner, Vorstandsvorsitzende des DRK Kreisverbandes Torgau-Oschatz, warum das Ehrenamt für das Gemeinwohl in Gefahr ist.

SWB: Der DRK Kreisverband Torgau-Oschatz beteiligt sich an der landesweiten Aktion „Status 6 – nicht einsatzbereit.“ Können Sie erklären, was es damit auf sich hat?
Anne Lissner: Auslöser der Petition ist die vom Sächsischen Innenministerium verkündete millionenschwere Erweiterung der Feuerwehrförderung. Jene Nachricht veranlasste den Petitionsinitiator Markus Kremser zu einem Schreiben an Innenminister Roland Wöller (CDU). Darin schildert er die seit Jahren existierenden riesigen Finanzierungslücken der „weißen Einheiten“. Deren Mitarbeiter sorgen im Ernstfall für die medizsche Betreuung und Versorgung. Unter anderem bei Bränden, bei Verkehrsunfällen mit mehreren Verletzten, bei Bombenfunden wie Ende Mai in Dresden oder im Falle einer Hochwasserkatastrophe wie in den Jahren 2002 und 2013 in Torgau.

Wie kann jeder Bürger von den Defiziten im Katastrophenschutz im Freistaat Sachsen betroffen sein?
… indem im Ernstfall keiner mehr da ist! Die Mitarbeiter des DRK, die bei Großschadenslagen zum Einsatz kommen, sind Ehrenamtler. Das funktioniert ähnlich wie bei der Feuerwehr: Werden wir bei einem Unglück alarmiert, eilen die ehrenamtlichen Retter von der Arbeit oder von zu Hause zum Stützpunkt und rücken aus.

Wo lauert das Problem?
Aktuell kann unser Kreisverband im Ernstfall nicht auf die Verfügbarkeit unserer ehrenamtlichen Einsatzkräfte vertrauen, da es keine gesetzliche Regelung zur Freistellung unserer berufstätigen Helfer unterhalb der Katastrophenschwelle gibt. Die Lohnfortzahlung für Arbeitgeber ist trotz Alarmierung durch die Leitstelle schlicht nicht geregelt. Gleiches gilt übrigens auch für unsere ehrenamtlichen Helfer in der Notfallseelsorge/Krisenintervention.

Es besteht keine Rechtssicherheit?
Bisher nicht, nein. Nicht jeder Evakuierungseinsatz oder jede Großschadenslage ist rein rechtlich betrachtet eine Katastrophe. Die Landesregierung muss diesen Zustand endlich beheben und Rechtssicherheit für unsere Ehrenamtlichen und deren Arbeitgeber schaffen. Anderweitig laufen wir Gefahr, dass sich immer weniger Menschen für dieses so wichtige Ehrenamt für das Gemeinwohl engagieren.

Was genau prangern Sie als DRK-Kreisverband an?
Es ist ein Unding, dass die Wohlfahrtsverbände jährlich Tausende von Euros in die Finanzierung und Unterhaltung der Katastrophenschutzstrukturen aus Spendenmitteln einbringen müssen. Schließlich ist der Katastrophenschutz eine hoheitliche Aufgabe des Freistaates Sachsens. Wir fordern als Zeichen der Wertschätzung die vollständige juristische und finanzielle Gleichstellung unserer Helfer im Katastrophenschutz gegenüber den Einsatzkräften der Feuerwehren.

Was muss aus Ihrer Sicht schnellstens getan werden?
Unsere Forderungen an die Politik sind überschaubar, beinhalten eine vollständige juristische Gleichstellung der ehrenamtlichen Helfer*innen der Hilfsorganisationen gegenüber den Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr, die Auflage eines zeitlich begrenzten Förderprogrammes für Investitionen zur Schaffung baulicher Infrastruktur zur DIN-gerechten Unterbringung von Katastrophenschutz-Einsatztechnik und Mannschaften sowie die Anpassung der Fördersätze für den Unterhalt der landeseigenen Katastrophenschutzeinheiten.

Wie kann Sie die Bevölkerung unterstützen? 
Noch bis zum 12. August kann man die Petition im Internet unterzeichnen. Aktuell geht es im Landtag um den Doppelhaushalt für 2019/2020. Jetzt besteht die Chance, auf das Problem aufmerksam zu machen, damit Geld dafür in den Haushalt eingestellt wird. Die Unterzeichnung der Petition dauert fünf Minuten. Wir zählen und hoffen auf die Unterstützung für ein stärkeres Ehrenamt, damit der Katastrophenschutz im Freistaat zukunftsfähig gemacht werden kann.
Gespräch: H. Landschreiber

Die Petition im Internet unter www.openpetition.de/petition/online/status6-helfergleichstellung-in-sachsen-jetzt